Das Strumpfband -
Mehr als nur ein Accessoire

Ohne es ist kaum ein Braut-Outfit komplett… Es steht im Mittelpunkt so manchen Hochzeitspiels… und es kann in der Hochzeitsnacht eine sehr hübsche Überraschung für den Bräutigam sein… Die Rede ist vom Strumpfband – einem traditionellen Kleidungsstück, das es jenseits ausgelassener Hochzeitsfeiern heutzutage schon gar nicht mehr gibt.

Strumpfbänder trug früher jeder, sollten sie doch in Zeiten, bevor es elastische Strümpfe und praktische Strumpfhosen gab, die wärmende Fuß- und Beinbekleidung am Herunterrutschen hindern. Heutzutage halten Socken und Strümpfe in der Regel auch ohne Strumpfband. Doch warum findet man es bis heute ausgerechnet bei Bräuten? Diese Tradition soll auf die Zeiten Queen Victorias in England im 19. Jahrhundert zurückgehen.

Damals entstand unter dem Motto „something old, something new, something borrowed, something blue” der Brauch, zur Hochzeit jeweils etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes und etwas Blaues zu tragen. Blau war dabei oft das Strumpfband. Die Farbe steht für Treue, Reinheit und Beständigkeit – eine passendere Symbolik könnte es für angehende Eheleute wohl kaum geben, oder?! Kein Wunder also, dass sich die Strumpfband-Tradition bis heute erhalten hat – auch wenn das kleine, unter dem Brautkleid versteckte Accessoire mittlerweile nicht mehr unbedingt blau ist.

Es könnte aber auch sein, dass Bräute auch heute noch Strumpfbänder tragen, weil sich rund um das kleine Stöffchen einige der lustigsten Hochzeitsspiele drehen: Aus England stammt der Brauch des Strumpfband-Werfens.

Dafür muss der Bräutigam der Braut zunächst das Strumpfband ausziehen – und zwar mit dem Mund. Die Hände zu benutzen ist verboten! Spaß hat dabei ganz bestimmt nicht nur das Brautpaar, sondern auch die Gäste.

Behalten darf der Bräutigam das Strumpfband anschließend aber nicht, denn was für die Single-Ladies das Brautstraußwerfen ist, ist für die ledigen Herren der Hochzeitsgesellschaft das Strumpfbandwerfen.Wie das Blumensträußchen der Braut wirft der Bräutigam das Strumpfband den Junggesellen, die sich hinter ihm aufgestellt haben, über den Kopf zu. Der Glückliche, der das Stöffchen fängt, heiratet als nächster. So sagt es zumindest der Brauch.

Zur Aufbesserung der Haushaltskasse hilft ein französischer Strumpfband-Brauch. Bei der Strumpfband-Versteigerung lüftet der Bräutigam für jedes Gebot aus dem männlichen Teil der Hochzeitsgesellschaft das Brautkleid ein kleines Stück – solange, bis das Strumpfband zum Vorschein kommt. Aufgabe des Brautvaters bei diesem Spiel ist es, die Gebote in die Höhe zu treiben, ohne am Ende selbst das Strumpfband zu ersteigern. Und noch spannender wird es, wenn die weiblichen Gäste mitbieten – und für jedes Gebot aus den Reihen der Damen der Rock des Hochzeitkleides wieder ein Stück nach unten wandert. Das Ergebnis: eine ausgelassene Hochzeitsgesellschaft und ein prall gefülltes Sparschwein für das Brautpaar.

Strumpfbänder gibt es in unzähligen Varianten: aus Tüll, Spitze oder Satin, mit Glitzersteinchen oder Schleifchen, mit Blumen oder – ganz individuell – mit den eigenen Initialen. Erlaubt ist, was gefällt. Und auch, ob Braut das Stöffchen am rechten oder am linken Oberschenkel trägt, ist ganz ihr überlassen.
Wichtig ist nur, dass es nicht einschnürt, nicht ungewollt herunterrutscht oder sonst irgendwie unbequem ist. Und auch wenn Ihr keine Lust auf Hochzeitsspielchen rund ums Strumpfband habt – in der Hochzeitsnacht könnt Ihr mit dem hübschen Accessoire Euren Liebsten überraschen und Eure ganz eigene Erinnerung schaffen.

Was auch immer Ihr mit Eurem Strumpfband macht – habt einfach Spaß und genießt das Gefühl, ein Kleidungsstück zu tragen, das Ihr wahrscheinlich nur ein einziges Mal in Eurem Leben tragt.

Und für alle, die noch mehr über Strumpfbänder wissen wollen, hier ein paar Fun Facts rund um das kleine Stöffchen:

Früher trugen Männer und Frauen Strumpfbänder, denn beide Geschlechter trugen Strümpfe, die es zu halten galt. Im 19. Jahrhundert hängten die Herren der Schöpfung lange Strümpfe und Strumpfhalten an den Nagel. Fortan blieben diese Kleidungsstücke der Damenwelt vorbehalten. Diese wiederum tauschte im darauffolgenden Jahrhundert Strümpfe und Strumpfhalter gegen elastische, halterlose Strümpfe, Strapse und Strumpfhosen.
Neben vielen Bräuten setzt auch so manches Gogo-Girl auf Strumpfbänder – zum Sammeln der zugesteckten Geldscheine 😉
Carl Benz‘ Ehefrau Bertha benutze 1888 ihr Strumpfband, um bei ihrer ersten Fernfahrt in einem Automobil eine defekte Zündung zu isolieren.